Ökonominnen in Führungspositionen

Die österreichische Wirtschaftsforschungslandschaft sollte im Jahr 2021 wesentliche Veränderungen erleben: Christoph Badelt kündigte an, nach Auslaufen seines Vertrages als Leiter des WIFOs in Pension zu gehen. Durch die Benennung des IHS-Chefs Martin Kocher zum neuen Arbeitsminister waren drei neue Positionen zu besetzen: IHS-Leitung, PräsidentIn des Fiskalrats und Vorsitzende/r des Statistikrats bei Statistik Austria.

Alle Positionen wurden inzwischen mit Männern nachbesetzt – teilweise sogar mit denselben. Ein kurzer Ö1-Beitrag weist darauf hin, dass sich sowohl für die IHS-Position als auch für die WIFO-Stelle jeweils nur eine einzige Frau beworben hat. Was können die Gründe dafür sein?

Im Ö1 Mittagsjournal nennt Monika Köppl-Turyna (@monikaturyna), Leiterin von Eco Austria (hier geht es zu ihrem Ökonominnenportrait), dass es in den Wirtschaftswissenschaften besonders wenige Professorinnen gibt und generell wenige Frauen in Führungspositionen, was nicht zuletzt mit der Frage der Kinderbetreuung zusammenhinge (wie in fast allen Branchen, nicht nur in der Wirtschaftsforschung).

Präzisieren wollen wir das Argument der Wirtschaftssprecherin der Grünen, Elisabeth Götze (@eligoetze), die in diesem Beitrag meinte, dass in Österreich (zu) wenige Frauen Volkswirtschaft studieren. In diesem Zusammenhang wollen wir auf den StandardArtikel von Pia und Julia verweisen, der einige konkrete Zahlen zusammengetragen hat: Der Frauenanteil am Department Volkswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien lag 2019 bei 51%, der Frauenanteil unter den Professorinnen und Professoren nur bei 13%. Der Professorinnenanteil an der Universität Wien im Bereich der Volkswirtschaft lag zumindest bei 25%. Es liegt also nicht daran, dass sich zu wenige Jugendliche dafür entscheiden, wirtschaftswissenschaftliche Fächer zu studieren. Aber im Vergleich zu den MINT-Fächern, reduziert sich der Frauenanteil ab PhD-Level (Doktorat) enorm. Die Struktur an Forschungsinstituten in Österreich zeigt zudem, dass die Forschung männlich dominiert ist, die „wissenschaftliche Assistenz“ und Statistik jedoch primär von Frauen repräsentiert wird.

Der Ausschuss für Frauen in der Volkswirtschaft Women in Economics (WinE) der European Economic Association (EEA) gab eine Studie in Auftrag, welche die Frauenanteile in Wirtschaftsforschungseinrichtungen über Web-Scraping erhob. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen 33% aller Forschenden an europäischen Institutionen repräsentieren. Der Anteil sinkt auf 24%, wenn nur ProfessorInnenstellen berücksichtigt werden. Österreich liegt mit Anteilen von 35% an allen Wirtschaftsforschenden und 26% der ProfessorInnen im europäischen Mittelfeld. 

Diese Zahlen zeigen, dass es noch sehr viel Luft nach oben gibt – muten aber optimistisch an im Vergleich zu den Bewerbungen am IHS: 18 Männer und nur 1 Frau. Haben sich WIFO & IHS und die Politik aktiv dafür eingesetzt, Frauen zur Bewerbung zu bewegen oder über Headhunter zu rekrutieren?

Die VrauWL will jedenfalls einen Beitrag dazu leisten, die Expertise von Ökonominnen sichtbarer zu machen, damit sie verstärkt als Fachexpertinnen & für Leitungspositionen herangezogen werden. Aus diesem Grund haben wir am Weltfrauentag 2021 die #Oekonominnenportraits auf Twitter ins Leben gerufen. Wir sammeln sie aber auch auf unserer Website. Ihr sucht Frauen mit wirtschaftswissenschaftlicher Expertise? Es gibt sie und wir zeigen sie!

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.